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 Magische Modelle im Okkultismus
  Niemand weiss, wie Magie wirklich funktioniert. Sollte es tatsächlich jemand wissen, wird er es nicht erklären können. Der erste Schritt liegt natürlich in einer möglichen Definition der Magie. Da ich diesen Ansatz aber für unsinnig halte und es in meinen Augen die Wissenschaft ist, die sich über Definitionen ausdrückt überspringen wir diesen Schritt. Wer dennoch daran interessiert ist, findet in der üblichen Literatur mehr oder weniger gute Definitionen. Wer den magischen Gedanken konsequent weiter verfolgt, wird auch feststellen, dass man mit einer Definition mehr Schaden anrichten kann und es der eigenen magischen Praxis kaum nützt. Es gibt im Okkultismus aber einige Grundansichten, die für die Praxis beachtenswert sind.
Die Form ist nicht die Kraft

  Mein Artikel „Die Illusion der Selbstfindung“ war aus statistischer Sicht nicht sehr erfolgreich. Nachdem er veröffentlicht wurde, wurde er nicht häufig gelesen. Das hat mich zwar nicht enttäuscht, aber überrascht. Da ich ihn für besonders wichtig und ganz passabel geschrieben halte. Vielleicht hätte ich ihn etwas spektakulärer Anpreisen sollen. Was aber nun mal nicht meine Art ist. Der folgende Haupttext schlägt in eine ähnliche Kerbe und deswegen habe ich mich entschlossen dieses Kapitel einzufügen. Sozusagen als Brücke.

  Das Wahrnehmung eine subjektive Angelegenheit ist, dürfte wohl allen bekannt sein. Das sagt sich aber oftmals leichter als es sich umsetzen lässt. Trotzdem möchte ich daran noch einmal erinnern. Sehe ich z.B. einen Kriegsgott, eine Vision oder ein Ungeheuer, dann ist das für mich in diesem Moment real. Obwohl es immer nur Repräsentanten bestimmter Kräfte sind. Wie sich weiter unten zeigen wird, möchte ich deswegen nicht den Begriff „Energie“ verwenden. Es ist vergleichbar mit einer Person, die ich treffe. Ich sehe die Person real vor mir. Aber den eigentlich Wesenskern nehme ich nicht wahr. Wie auch in einer Vision, sehe ich nicht das, was dahinter steht. Da ich auch mal gerne christliche Vergleiche benutze: sehe ich Jesus, sehe ich etwas, dass als Form gewisse Eigenschaften darstellt, die mit Jesus verbunden werden, z.B. Menschenliebe, Gnade, Güte usw. Aber diese Eigenschaften in ihrer reinen Form nehme ich nicht wahr. Das macht Jesus nicht weniger real, realtiviert aber einen Absolutheitsanspruch, auf den sich gerne berufen wird. Es ist der persönlichen Entwicklung nicht förderlich und ich selbst brauchte für diese an sich einfache Erkenntnis einige Jahre um sie in ihrer Tragweite zu integrieren. Ein Nachteil von langen Jahren autodidaktischer Studien einer Jungfrau. Wer mich oder die Webseite seit längeren Jahren kennt, wird diesen Wandel sicherlich bemerkt haben.


Das spiritistische Modell (auch: Geistermodell, Schamanenmodell)

  Das älteste und zugleich bekannteste Modell ist das spiritistische Modell. Der Schamanismus bewegt sich ausschliesslich in diesem Rahmen. Ebenso der Golden Dawn samt seiner Ausläufer. Franz Bardon und Gregor A. Gregorius ebenso. Auch die traditionellen Runen, welche ich nicht zum Schamanismus rechne. Die gesamte Magie des Mittelalters mit ihren Grimoires und natürlich auch der Spiritismus oder auch New Age Channeling genannt. Obwohl letzteres keine Magie ist.

  In diesem Modell wird die objektive (!) Existenz von verschiedenen Wesenheiten angenommen. Je nach Dogma können das Götter, Engel, Dämonen, Elementargeister, transzendentale Meister usw. sein. Der Magier steht zwischen dieser feinstofflichen und der grobstofflichen Welt (vgl. Symbolik „Der Magier“ im Waite-Tarot, Karma-Tarot, Haindl). Alles diese Wesenheiten haben einen eigenen Charakter, der immer bestimmte menschliche Charaktereigenschaften oder moralische Prinzipien hat. Je nach Wesenheit können es gute oder böse sein. Ebenfalls haben sie bestimmte Kräfte oder Wissen. Der Magier versucht nun, sich diese Intelligenzen dienstbar zu machen. Dazu verwendet er Zauberformeln, magische Siegel (nicht Sigillen!) und Symbole. Er kann auch mit Hilfe von veränderten Bewußtseinszuständen den feinstofflichen Wohnort dieses Wesen bereisen. Dort gibt es, ganz wie in der grobmateriellen Welt, bestimmte Regeln und Sitten, an die sich der Reisende halten sollte. „Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie ein Römer!“.

  Das Verhältnis zwischen Faust und Mephisto ist das bekannteste Beispiel für das spiritistische Modell. Hier sehen wir auch das Risiko für den Magier, denn nicht jeder Geist ist freundlich und viele verlangen eine Gegenleistung in Form von Opfern oder Diensten. Das können, müssen aber nicht, Blutopfer sein. Ich frage mich gerade, ob ich diesen Absatz besonders betonen sollte. Die eigene Erfahrung ist natürlich besser als meine guten Ratschläge. Dennoch, es macht schon einen grossen Unterschied, ob man z.B. einen Pakt mit dunklen oder einer hellen Mondgöttin eingeht. Aber wie gesagt ist das eine Frage der persönlichen Erfahrung und Pakt ist Pakt.

  Es gibt sehr viel Literatur zu diesem Thema. Deswegen erübrigen sich besondere Empfehlungen. Aufgrund der besseren Verinnerlichung würde ich aber auf alle Fälle auch Romanformen lesen. „Exorial“ von Gregorius ist sehr bekannt. Ebenfalls der bereits oben erwähnte Faust und wer es sich besorgen kann findet in dem Roman „Die Begierde ewiglicher Macht“ eine interessante Erzählung über die 99er Loge (die Truppe aus Frabato).


Das Energiemodell (auch: Odmodell)

  Am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa langsam ein Bewusstsein dafür, dass Geist und Körper nicht getrennt sind. Dadurch wurde verstärkt der Blick auf die inneren Prozesse des Menschen gerichtet. Mesmer und Reichenbach entwickelten (besser gesagt: wiederentdeckten) Energiemodelle, die auf diese Prozesse einwirken sollten. Mesmer nannte seine Energie den „tierischen Magnetismus“ und Reichenbach nannte es Od. Auch Bulwer-Lytton nutzte für seine Geschichten diesen Trend und nannte diese Energie „Vril“. Im Indischen ist es das Prana und in seiner transformierten Art die Kundalini-Energie. In der chinesischen Heilkunde heisst die Energie Chi (Qi). Obwohl es so viele unterschiedliche Bezeichnungen gibt, handelt es sich im Prinzip um die gleiche Sache. Eine universelle Lebensenergie mit der man allerlei bunte Sachen anstellen kann.

  In der Reinform gibt es im Energiemodell keine Geister, sondern nur unterschiedliche Energiequalitäten. Wie und ob diese nun genauer bezeichnet werden, hängt natürlich wieder einmal vom Dogma, also Lehrsystem ab. Es kann dann von guter und schlechter Energie die Rede sein. Von groben und feinen Schwingungen. Oder aber von einer grundsätzlich neutralen Energie oder ein zu viel oder zu wenig. Auch gibt es komplizierte Systeme, die die unterschiedlichen Energieniveaus in eine ganze Reihe von Hierachien und Strukturen einorden, welche aber in ihrer Komplexität für einen durchschnittlich Sensitiven nie erfahrbar sein werden. Hier haben vielmehr den Ausdruck der typischen Katalogisierung im empirischen Sinne durch den geschichtlichen Einfluss von Aufklärung und Rationalismus.

  Muss sich der Magier im Geistermodell mit widerspenstigen Geistern herumschlagen, so wird diese Problem nun auf die eigene Ebene verlegt, hier hat er eine Energiebatterie von der sein magisches Gelingen abhängig ist. Dadurch entsteht natürlich ein ziemlicher Leistungsdruck und es kann zu der unschönen Situation führen, dass die eigene Energie gerade unten ist, obwohl es dringend einer magischen Handlung bedarf. Der Vorteil liegt natürlich darin, dass man nicht auf die „Gnade“ anderer Wesen angewiesen ist und gewöhnliche Menschen in aller Regel einen nicht relevanten Energielevel haben.

  Bücher von Mesmer, Reichenbach, Mantak Chia usw. Je nach Ausrichtung, Lesewut und persönlicher Situation. Man achte aber darauf keinem System mehr objektive Wahrheit zuzugestehen als einem anderen! Erfahrungsberichte können so falsche Ansichten erzeugen, wie die Behauptung, dass der Mond eine Scheibe ist!


Kybermagie? (auch: Informationsmodell)

  Die Kybermagie arbeitet nach dem Informationsmodell, welches in Deutschland in erster Linie von Frater V.D. postuliert wurde. Im Kerngedanken beschreibt das Informationsmodell, dass Energie nur durch Information wirksam wird. Der Magier manipuliert nicht mehr die Energie, sondern per Willensakt direkt die Information. Dabei nimmt die Kybermagie durchaus Anleihen aus Bereichen der Physik. Das mag viele vielleicht abschrecken. Es sei aber daran erinnert, dass es ein okkultes Privileg ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken – Wissenschaftler können es nicht!

  Aufgrund der lt. V.D. notwendigen Energiekomponente ist es für Anfänger nicht möglich, irgendwelche Ergebnisse zu produzieren.
Da die Informationen darüber im Internet alle mehr oder weniger eine Kopie von V.D.s Aussagen sind, möchte ich hier kurz meine eigene Meinung darlegen und seine nicht noch einmal wiederholen. Meine Ansicht ist vielleicht etwas verdreht, aber besser als noch eine Kopie.

  Ich glaube, dass die meisten „Kybermagier“ gar nicht in der Lage sind, in der von V.D. geschilderten Form zu zaubern. Auch dann, wenn der erwähnte Energielevel erreicht ist – was allerdings ein sehr relativer Punkt ist. Ansonsten wäre nämlich eine beachtliche Anzahl von Esoterikern in der Lage, kybermagische Effekte zu erzielen. Was sie leider (oder zum Glück) nachweislich nicht können.
Möchte man auf etwas direkt einwirken, braucht man auch einen direkten Kontakt und meiner Ansicht nach beinhaltet das auch einen entsprechenden Bewusstseinszustand. Hier zumindest in den kurzen Momenten wo die Information übertragen wird. Eine Information wird normalerweise mit einem Medium wahrgenommen, bzw. mit dem verbundenen Transportmedium. Deswegen ist es auch bedeutungslos, ob die Information als solches masselos ist.
In der klassischen Magie wird zwischen Innen und Aussen getrennt und auch die Psychologie trennt zwischen Bewusst und Unterbewusst. Wenn ich diese Trennung aufhebe, kann ich direkte Wirkungen erzielen. Dieser Punkt der Kybermagie ist aber in anderen Systemen recht bekannt. Einfacher ausgedrückt, zwischen dem Universum und mir besteht kein Unterschied.

  Ein weiterer wesentlicher Punkt für erfolgreiche Kybermagie ist der Zugriff auf die sog. Informationsspeicher und damit auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum klassischen Magieverständnis des 20. Jahrhunderts. Dort wurde Magie in die Kurzformel Imagination + Wille verpackt. Von der Notwendigkeit eines veränderten Bewusstseins war nicht die Rede und von Informationen auch nicht. Bezüglich der Information und des Zugriffs könnte man auf die Theorie der morphogenetischen Feld zurückgreifen, welche aber recht umstritten ist.
 
  So verlockend der kybermagische Ansatz auch klingt, nichts genaues weiss man nicht. Ob meine Ansichten richtig oder falsch sind, ist für den eigenen magischen Erfolg unwichtig. Ich erinnere an dieser Stelle auch an die Sigilleneuphorie der letzten Jahre und an das eismagische Brimborium. Metaphysische Spekulation gehören zwar zum Okkultismus, aber jeder sollte sich auch Fragen, wie weit komplizierte Gedankengänge der eigenen Praxis dienlich sind oder nicht.




Irgendwo dazwischen

  Die Modelle Energie und Geister kommen selten in ihrer reinen Form vor und man trifft häufig Mischformen an. Viele bemerken auch gar nicht, dass sie da zwei verschiedene Ansätze mischen. Ich hoffe, dass diesbezüglich der Text zum Nachdenken anregt.

  Eine besondere und noch ziemlich junge Mischform ist das psychologische Modell. Bei den älteren Okkultisten findet man es in Ansätzen bei Crowley und sehr ausgeprägt bei Spare. Auch entwickelt sich Kundalini sehr leicht vom Energiemodell (Geistermodell) zum psychologischen Modell. Das kann man aber als Zeitgeist bezeichnen und ist grundsätzlich nicht weiter schlimm, wenn es denn bewusst wird.

  Im psychologischen Modell sind die Energiearten Teil der Psyche und Wesenheiten existieren nicht mehr objektiv ausserhalb des Magiers, sondern subjektiv als Teil des Magiers. Daraus ergibt sich, dass die magische Wirkung aus der Tiefe des Unterbewusstseins entspringt. Diesem Trend folgen fast alle modernen Autoren und die Psychologisierung ist zur Zeit der Standard in vielen Bereichen der Esoterik, so auch z.B. in der Astrologie, dem Tarot und sogar im Reiki. Was bei letzteren zu einer interessanten Verflachung führt, aber diese geht ja durch viele Bereiche des Okkulten und ist im Sinne einer breiteren Masse auch sinnvoll.


Schlusswort

  Der Anfänger wird sich nun fragen, wie er damit umgehen soll. Zunächst stellen wir einfach lapidar fest, dass alle Modelle Vor- und Nachteile haben. Es gibt etliche Okkultisten, die ihr Modell mit Mann und Maus verteidigen. So ein Scheuklappendenken darf man getrost ignorieren.

  In der Praxis hat es sich bewährt, das jeweils passende System zu wählen. Dazu bedarf es natürlich einiges an Übung bis man sicher für sich das jeweils richtige auswählen kann. Dafür bleibt man aber auch flexibel und ist gegenüber den einseitigen Okkultisten im Vorteil. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es hier nur um den grundsätzlichen Unterbau geht. Dieser Wechsel ist noch relativ einfach zu realisieren. Anders verhält es sich mit verschiedenen praktischen Systemen. Da sollte man erst eines sicher beherrschen, bevor man auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzt.
22-12-2013: "Warum du hier vielleicht falsch bist" - Ein neuer Text.





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